Fachkräftemangel - die Fehler der Vergangenheit

14/03/2023 13:37

Fachkräftemangel - die Fehler der Vergangenheit

Was genau ist Fachkräftemangel?

Der Fachkräftemangel ist ein Phänomen, das sich in vielen Branchen zeigt. Es beschreibt die Schwierigkeit von Unternehmen, qualifizierte Arbeitskräfte für bestimmte Stellen zu finden (und trotz des großen Fachkräftewettbewerbs zu halten). Das heißt, die Nachfrage nach Fachkräften mit bestimmten Qualifikationsprofilen ist höher als das Angebot. Zum volkswirtschaftlichen Problem wird dies insbesondere, wenn viele Branchen und auch Positionen mit eher niedriger Qualifizierungsstufe vom Fachkräftemangel betroffen sind und offene Stellen unbesetzt bleiben.

Das Problem hat verschiedene Ursachen. Zum einen gibt es einen demografischen Wandel: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den Ruhestand, während die Zahl der Nachwuchskräfte sinkt. Zum anderen haben sich die Anforderungen an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer realtiv schnell verändert und immer mehr Berufe erfordern einen höheren Ausbildungsstand und spezielle Kenntnisse. Darauf wurde (zu) spät im Umbau der Ausbildunglandschaft und in der unternehmensinternen Qualifizierung reagiert. 

Welche Branchen sind vom Fachkräftemangel besonders stark betroffen?

Der Fachkräftemangel betrifft mittlerweile viele Branchen in Deutschland, aber es gibt einige, die besonders betroffen sind.

IT-Branche: Die IT-Branche ist von einem starken Fachkräftemangel betroffen, insbesondere im Bereich der Software-Entwicklung, Cybersecurity und Künstliche Intelligenz. Es gibt einen hohen Bedarf an qualifizierten Programmierern, Entwicklern, Systemadministratoren und Sicherheitsexperten.

Gesundheitswesen: Auch das Gesundheitswesen hat einen Fachkräftemangel, insbesondere in den Bereichen Pflege, Medizin und Therapie. Es gibt einen hohen Bedarf an qualifizierten Krankenschwestern, Pflegern, Ärzten, Therapeuten und Fachärzten.

Handwerk: Im Handwerk gibt es ebenfalls seit Jahren einen Fachkräftemangel, insbesondere in den Bereichen Elektrotechnik, Sanitär, Heizung, Klima und Metallbau. Es gibt einen hohen Bedarf an qualifizierten Fachkräften wie Elektrikern, Klempnern, Installateuren und Schlossern.

Ingenieurwesen: Auch das Ingenieurwesen ist von einem Fachkräftemangel betroffen, insbesondere in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik, Energietechnik und Bauingenieurwesen. Es gibt einen hohen Bedarf an qualifizierten Ingenieuren, Konstrukteuren und Planern.

Doch auch Branchen mit vermeintlich niedrigeren Qualifikationen, z.B. im Servicebereich, sind nicht zuletzt durch die Corona Pandemie vom Fachkräftemangel betroffen. 

Gastronomie und Tourismus: Die Gastronomie und der Tourismus haben auch einen Fachkräftemangel, insbesondere in den Bereichen Hotelmanagement, Küchenmanagement, Service und Rezeption. Es gibt einen hohen Bedarf an qualifizierten Fachkräften wie Köchen, Restaurantfachleuten, Hotelfachleuten und Touristikern.

Insgesamt gibt es also viele Branchen, die vom Fachkräftemangel schon direkt und unmittelbar betroffen sind, und dieser Trend wird sich voraussichtlich fortsetzen. Unternehmen, Regierungen und die öffentlichen Institutionen müssen zusammenarbeiten, um langfristige Lösungen zu finden, um den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften in allen Branchen zu decken.

Der Fachkräftemangel ist ein ernstzunehmendes Problem, das Unternehmen und Volkswirtschaften gleichermaßen betrifft. Eine umfassende Strategie, die auf verschiedenen Ebenen ansetzt, ist notwendig, um dem entgegenzuwirken und langfristig zu verhindern.

Wie können wir dem Fachkräftemangel begegnen?

Es gibt verschiedene Ansätze, die gegen den Fachkräftemangel ergriffen werden können oder zumindest Unternehmen helfen, im Fachkräftewettbewerb gegen andere Unternehmen zu bestehen:

Investitionen in die Bildung: Eine Möglichkeit ist die Förderung der Bildung, Aus- und Weiterbildung von Arbeitskräften. Bildungseinrichtungen und Regierungen können mehr Ressourcen in die Ausbildung von qualifizierten Arbeitskräften investieren und sicherstellen, dass die Ausbildung den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes entspricht.

Förderung der Berufsausbildung: Berufsausbildung kann eine gute Alternative zum Hochschulstudium sein und ermöglicht es Unternehmen, ihre Fachkräfte selbst auszubilden. Unternehmen können dazu beitragen, indem sie mehr Ausbildungsplätze anbieten.

Verbesserung der Arbeitsbedingungen: Eine weitere Möglichkeit ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Schaffung einer positiven Arbeitsumgebung. Dazu können beispielsweise flexible Arbeitszeiten, attraktive Sozialleistungen und eine ausgewogene Work-Life-Balance beitragen. Wobei dieser Aspekt (und weitere aus unserer Liste) nur Unternehmen hilft, kurzfristig dem Fachkräftewettbewerb zu begegnen und nicht das Problem des Fachkräftemangels zu lösen. 

Anpassung von Stellenanzeigen und Anforderungsprofilen: Unternehmen können auch ihre Stellenanzeigen und Anforderungsprofile überdenken, um potenzielle Bewerberinnen und Bewerber anzusprechen. Statt sich ausschließlich auf akademische Abschlüsse zu konzentrieren, können Unternehmen auch Kandidaten mit Berufserfahrung und praktischen Fähigkeiten berücksichtigen.

Internationalisierung: Unternehmen können den Fachkräftemangel auch durch eine Internationalisierung der Arbeitskräfte angehen, indem sie zum Beispiel Fachkräfte aus dem Ausland rekrutieren. Dazu müssen jedoch oft sprachliche und bürokratische Hürden überwunden werden.

Gezielte Zuwanderung und Akzeptanz der Abschlüsse anderer Länder: Viele offene Stellen könnten durch Zuwanderung besetzt werden. Dafür müssten Fachkräfte gezielt in den Ursprungsländern angeworben werden und deren Abschlüsse der verschiedenen Qualifizierungssysteme anerkannt werden. 

Firmeninterne Ausbildung und Qualifizierung fördern: Eine effektive Methode, um dem Fachkräftemangel zu begegnen, ist die Investition in die Ausbildung und Qualifizierung von Arbeitnehmern. Unternehmen sollten ihre Mitarbeiter unterstützen, indem sie Weiterbildungs- und Schulungsmöglichkeiten anbieten. Auch Regierungen können gezielte Förderprogramme und Stipendien auflegen, um Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen zu unterstützen.

Gezielte Rekrutierung: Unternehmen sollten gezielt um qualifizierte Arbeitskräfte werben und sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Dazu können beispielsweise gezielte Marketing- und Recruiting-Kampagnen, Praktika, sowie Kontakte zu Bildungseinrichtungen und Fachverbänden gehören.

Fachkräftemangel vs. Fachkräftewettbewerb

Fachkräftemangel und Fachkräftewettbewerb sind zwei Begriffe, die eng miteinander verwandt sind, aber dennoch unterschiedliche Bedeutungen haben.

Fachkräftemangel bezieht sich auf die Situation, wenn es auf dem Arbeitsmarkt nicht genügend qualifizierte Arbeitskräfte gibt, um den Bedarf der Unternehmen zu decken. In diesem Fall haben Arbeitgeber Schwierigkeiten, offene Stellen mit geeigneten Kandidaten zu besetzen. Der Fachkräftemangel kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, wie zum Beispiel demografischen Entwicklungen, einem Mismatch zwischen den angebotenen Fähigkeiten und den Bedürfnissen der Unternehmen oder einem Wandel in den Anforderungen des Arbeitsmarktes.

Fachkräftewettbewerb hingegen bezieht sich auf die Situation, wenn Unternehmen um die besten Talente konkurrieren. In diesem Fall gibt es genügend qualifizierte Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt, aber Unternehmen konkurrieren um die begrenzte Anzahl an Top-Talenten. Der Fachkräftewettbewerb kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, wie zum Beispiel eine hohe Nachfrage nach bestimmten Fähigkeiten oder ein hoher Konkurrenzdruck innerhalb einer Branche.

Im Grunde genommen ist der Fachkräftewettbewerb eine Folge des Fachkräftemangels. Wenn es genügend qualifizierte Arbeitskräfte gibt, gibt es normalerweise keinen Wettbewerb um Talente, da Arbeitgeber aus einem Pool von Bewerbern auswählen können. Wenn jedoch ein Fachkräftemangel besteht, haben Arbeitgeber Schwierigkeiten, geeignete Kandidaten zu finden, und müssen deshalb um die besten Talente konkurrieren.

Fazit

Um den Fachkräftemangel zu lösen und den Fachkräftewettbewerb zu verringern, müssen Unternehmen und Regierungen Maßnahmen ergreifen, um die Anzahl qualifizierter Arbeitskräfte zu erhöhen und die Anforderungen des Arbeitsmarktes an die Bildung und Ausbildung anzupassen. Dies kann die Investition in die Bildung, die Förderung von Berufsausbildung, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Anpassung von Stellenanzeigen und Anforderungsprofilen umfassen.

Insgesamt erfordert die Bekämpfung des Fachkräftemangels eine langfristige Strategie und Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Regierungen und Bildungseinrichtungen. Nur durch ein gemeinsames Vorgehen können die Ursachen des Fachkräftemangels angegangen und die Anzahl qualifizierter Arbeitskräfte langfristig erhöht werden.

 

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